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Interview > Interview mit Ulrich Wickert

Interview Teil 4

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Wickert: Da sind Sie fröhlich. Sie zeigen zwar die Zerstörung der Kommunikation, der Sprache, aber Sie tun es mit Spaß.

Ionesco: Ja, leichtsinnig, unbekümmert, als wäre es ganz normal. Damals war ich auch noch jung.

Wickert: Waren Sie fröhlich?

Ionesco: Nein, fröhlich bin ich nie gewesen. Das Schreiben macht mich glücklich. Den ersten Film wollte ich machen, als ich zehn Jahre alt war. Für den hatte ich selber das Drehbuch geschrieben. Ein Freund, der elf war, sagte, er hätte einen Onkel, der ihm eine Kamera geben wollte. Ich erinnere mich an dieses erste Drehbuch: Kinder kommen zu Besuch zu anderen Kindern, begegnen dort den Eltern, werfen die Eltern aus dem Fenster, werfen die Möbel aus dem Fenster. Schon damals hatte ich diesen Sinn für den Skandal und für die Katastrophe. Schon in meinem ersten Stück ging es also um ein fröhliches Aus-den-Fugen-Geraten, als hätte ich die Leere beschwören wollen, damit es keine Welt mehr gebe. Damit man sich in einem anderen Raum außerhalb unserer Welt befinde. Außerhalb unserer Welt in einer anderen Welt. Ich habe dann immer wieder an der Verspottung der Sprache gearbeitet. Auch nachdem ich ein paar ideologische Stücke geschrieben habe. Und im letzten Stück, 'Reise zu den Toten', gibt es einen Schlussmonolog. Da gerät die Sprache ganz und gar aus den Fugen. Der Monolog besteht aus Assonanzen, unverständlichen, erfundenen Wörtern. Und alles wird in einem sehr tragischen Ton vorgetragen - vom Leid erdrückt. Da geht es nicht mehr um die Zerstörung durch Freude, das ist Zerstörung durch Verzweiflung.

Im literarischen Rumänien habe ich meine ersten Seiten geschrieben, die eine Revolte sein sollten. Eine Revolte gegen die rumänische Kultur, die ich nicht leiden konnte. Ich mochte die literarische Welt in Rumänien nicht, denn sie ähnelte allen literarischen Milieus der Welt. Das heißt, es gab ein paar Begabungen, Talente, Genies, aber zugleich viele, viele Eitelkeiten. Ich verabscheute diese Welt, weil ich die Literatur überhaupt verabscheute. Darum habe ich später auch welche gemacht. Mein Weg in die Literatur begann mit einem Kampf gegen die Literatur, der seinen Niederschlag in einem Buch fand mit dem Titel 'Nu', das heißt 'Nein'.

...Als Student war ich gegenüber meinen Professoren sehr aggressiv. Ich las andere Bücher als jene, die die Professoren geschrieben hatten....Proust liebte ich sehr, dessen Bücher auch gerade erschienen und den man für den letzten Idioten hielt. Er wurde nicht verstanden.