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Wickert: Sie erzählen, dass Sie immer gegen das waren, was die Professoren sagten. Besaßen Sie immer einen Widerspruchsgeist?
Ionesco: Ich glaube, ich besaß immer einen gewissen Widerspruchsgeist. Das sieht man auch in meinen Theaterstücken. Die Hauptfigur von 'Jakob oder der Ungehorsam' ist jemand, der gegen die Welt revoltiert. Dann habe ich eine Erzählung geschrieben und daraus ein Theaterstück gemacht. Danach einen Film, in dem ich selber gespielt habe. Er heißt 'Schlamm'. Die Hauptfigur in diesem Film löst sich auf - moralisch, geistig und physisch. So sehr, dass sie ihre Beine verliert, dass sie ihre Arme verliert. Und schließlich bleibt ihr nur noch der Mund übrig. Ein Auge, um den Himmel zu betrachten, und der Mund, um zu sagen: 'Ich werde wieder von vorne anfangen. Ich liebe diese Welt nicht.' Er bittet Gott um eine neue Offenbarung. Um einen neuen Kosmos.
Wickert: Es gibt etwas in Ihrem Werk, was sich nicht vermengt. Die Logik und das, was diese Logik durchbricht.
Ionesco: Genau das. Was ich tue, was ich schreibe, da ich zunächst ein vernünftiger Mensch bin, ist selbstverständlich logisch. Aber dann bekomme ich Anfälle von Irrationalität, die in mir hochsteigen und die Logik zerstören. So ist mein Theater zu dem geworden, was man 'Absurdes Theater' nennt. Diejenigen, die nach mir 'Absurdes Theater' gemacht haben, haben es schlechter als ich gemacht. Viele Leute haben nachgemacht, was ich geschrieben hatte. Sie bemühten sich, Absurdes zu machen, während bei mir das Absurde aus der Konfrontation des Rationalen mit dem Irrationalen entspringt. Das Irrationale, das das Rationale einholt, wie sie eben gesagt haben.
Wickert: Akzeptieren Sie diese Bezeichnung 'absurdes Theater'?
Ionesco: Ich akzeptiere sie. Ich finde, dass die Welt als Ganzes absurd ist, oder doch nicht absurd ist. Es ist schwer zu sagen, was absurd ist, da wir kein Vorbild dessen haben, was nicht absurd ist. Aber, die Welt gefällt mir nicht. Sie entspricht mir nicht, sie ist sinnlos. In dem Maße, wie ich die Strukturen des Geistes widerspiegele, habe ich das Recht, die Welt absurd zu finden. Übrigens ist das 'Absurde Theater' schon vor langer Zeit erfunden worden. Sophokles machte 'Absurdes Theater' und Shakespeare hat das 'Absurde Theater' definiert. Er lässt MacBeth sagen: 'Die Welt ist eine Geschichte, die ein Idiot erzählt, voller Lärm und Sinnlosigkeit, und sie bedeutet nichts...' - etwa in dieser Art. Ich kenne nicht das genaue Zitat. Aber das ist der Sinn des Unsinns wie ihn Shakespeare definiert hat.
Wickert: Gab es in den literarischen Salons literarische Streitigkeiten? Wurde jemand wie Jean Genet auch eingeladen?
Ionesco: Genet war äußerst liebenswürdig als er in den literarischen Salons auftrat. Er war ein Bandit gewesen. Ich glaube sogar, er wurde zum Tode verurteilt. Aber ich bin da nicht sicher. Jedenfalls ist er aufgrund seiner Begabung freigekommen. Damals besaß er Begabung, Genie und eine große Macht und Ausstrahlungskraft. Wenn Genet in einem literarischen Salon erschien, begnügte er sich damit, silberne Löffel zu stehlen. Am nächsten Tag rief die Gastgeberin die Gastgeberin des vorhergegangenen Tags an und fragte: 'Und was hat er bei dir gestohlen?'