„Wenn ich jemals feindselig war, dann gegenüber der Dummheit und gegenüber der Verletzung von Menschenrechten.”

Quelle und weitere Zitate

Ionesco 1967 über seinen Vater, den Staat, die Opposition

Mein Vater war kein bewusster Opportunist, er glaubte eben an die Obrigkeit. Er respektierte den Staat. Er glaubte an den Staat, an welchen auch immer. Ich war gegen die Obrigkeit, ich verabscheute den Staat, ich glaubte nicht an den Staat, an welchen auch immer. Für ihn hatte eine Partei, sobald sie an die Macht kam, recht. So gehörte er zur Eisernen Garde, wurde Freimaurer-Demokrat, Nationalist, Stalinist. Für ihn hatte jede Opposition unrecht. Für mich hatte jede Opposition recht. (Heute, im Jahre 1967, lehne ich auch die Opposition ab, denn ich weiß, sie ist der werdende Staat, das heißt die Tyrannei.)

Warum habe ich ihm das so übel genommen? War er nicht so wie alle anderen auch? Er ist jetzt Jahre, viele Jahre tot. Alles in allem warf ich ihm vor, dass er wie alle anderen war. Das hieß, Schritt halten mit der Geschichte: aber Heidegger, Jung, Sartre und viele andere, haben sie es nicht ebenso gemacht? Nur tat er es gröber, einfältiger, vielleicht auch naiver. Strömungen des Wahnsinns erschüttern die Welt. Um diesen Strömungen zu widerstehen, muss man sich sagen, dass die Geschichte immer unrecht hat, obwohl man gemeinhin glaubt, die Geschichte habe immer recht.
Er war wie alle. Eben das machte ich ihm zum Vorwurf. Und eben das habe ich ihm zu Unrecht zum Vorwurf gemacht.

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Eugène Ionesco, Heute und gestern, gestern und heute, Ionesco Werke 6, S. 252-253, Verlag Bertelsmann

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