Übersetzerin für Eugène Ionesco: Lore Kornell
„Die Kultur bringt die Menschen zusammen“ – sagte Eugène Ionesco im Rahmen seiner Ausführungen über das Spannungsfeld „Kultur und Politik“. Zu unserer Kultur gehören auch Sprachen, die – sofern unberührt von politischer Vereinnahmung – unser Dasein und Miteinander bereichern, unsere Verständigung erleichtern können. Sprachen bilden aber auch Barrieren, die es zu überwinden gilt, wenn man aufeinander zugehen möchte. Auch wenn immer mehr Menschen über Fremdsprachenkenntnisse verfügen, dürften nur sehr wenige über ein wirklich tiefgründiges, kulturelles Verständnis dieser fremden Sprachen verfügen. Wenn es um Literatur geht, wird dieser kleine Kreis noch einmal kleiner sein. Ich selbst würde mich in zwei Fremdsprachen weder zu dem kleinen noch zu dem kleineren Kreis zählen. Ich lese und verstehe Eugène Ionesco im Original, bin aber seit vielen Jahren dankbar für jede gute Übersetzung in meine Muttersprache.
Im Mai diesen Jahres erhielt ich eine ebenso freundliche wie interessante Anfrage von Sabine Baumann aus einem wissenschaftlichen Projekt, das sich „Übersetzern und Übersetzerinnen im Exil“ widmet, mit besonderem Fokus auf Lore Kornell (1895 - 1981). Lore Kornell hat einige bedeutende Werke von Eugène Ionesco deutschsprachigen Lesern zugänglich gemacht, darunter das Drama „Der neue Mieter“ und der Roman „Der Einzelgänger“. Die Herausforderung, diese Werke so nah wie möglich am Original und mit hohem literarischen Anspruch in die deutsche Sprachkultur zu übertragen, hat sie nicht nur für Eugène Ionesco in herausragender Weise bewältigt, sondern auch für weitere namhafte Schriftsteller. Lore Kornell war der lebende Beweis dafür, dass Übersetzung im Bereich der Literatur mehr ist und sein muss als eine rein technische Prozedur.
Neben diesen sprachwissenschaftlichen Leistungen hat mich die Geschichte des Menschen Lore Kornell berührt. Ihre Familie wurde in grausamer Weise Opfer von Antisemitismus und Nationalsozialismus. Ihre Eltern starben im Konzentrationslager Theresienstadt, sie selbst floh nach Frankreich, musste aber auch dort schon bald um ihre Freiheit und ihr Leben kämpfen. Nach diesen schrecklichen Jahren traf sie in der Pariser Theaterszene Eugène Ionesco – und ein Stück Übersetzungsgeschichte der deutsch-französischen Literatur nahm ihren Lauf.
Sabine Baumann hat das im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts „Post-Exil: Trans 1945-1960 (2025-2027)“ entstandene Porträt über Lore Kornell inzwischen für jedermann frei zugänglich auf der Website des Germersheimer Übersetzerlexikons veröffentlicht:
UeLEX Germersheimer Übersetzerlexikon: Lore Kornell, 1895–1981