Lore Kornell hat einige bedeutende Werke von Eugène Ionesco deutschsprachigen Lesern zugänglich gemacht, darunter das Drama „Der neue Mieter“ und der Roman „Der Einzelgänger“. Die Herausforderung, diese Werke so nah wie möglich am Original und mit hohem literarischen Anspruch in die deutsche Sprachkultur zu übertragen, hat sie nicht nur für Eugène Ionesco in herausragender Weise bewältigt, sondern auch für weitere namhafte Schriftsteller.
„Ich glaube, dass die Dichtung immer Neurose ist. Ohne Neurose keine Literatur. Gesundheit ist weder poetisch noch literarisch. Sie gestattet auch keinen Fortschritt: sie verlangt 'nichts Anderes, nichts Besseres' ..."
Eugène Ionesco hatte schon lange vor seinem Tod erkannt, dass seine Stücke von kommenden Generationen im Grunde neu geschrieben werden. Meine Beobachtungen der letzten Jahre haben allerdings ergeben, dass so einige Bezüge zu den Werken Eugène Ionescos, insbesondere zu seinem Drama „Die Nashörner“, nicht einmal mehr auf dem Geiste des Werkes fußen. Den vorläufigen Höhepunkt durfte ich dieser Tage über eine Regionalzeitung erfahren. Ein kleines Theater führte „Die Nashörner“ auf und hat es geschafft, bei der Auseinandersetzung mit einem Künstler, der immer wieder vor Ideologien warnte, gleich zwei konformistischen Zuspitzungen unserer Zeit auf den Leim zu gehen.
Im Folgenden möchte ich etwas Literatur Revue passieren lassen, die mich seit Ende der 80er Jahre begleitet hat. Bei einem spontanen Streifzug durch die Bücherregale musste ich feststellen, dass so einige Werke trotz ihres Alters erstaunlich aktuell wirken und teilweise eine Nähe zu Themen und Gedanken aufweisen, die auf der Website ionesco.de verarbeitet werden. Eine durchaus illustre Auswahl dieser Bücher möchte ich hier mit wenigen Anmerkungen und Zitaten vorstellen.
"Mein Vater war kein bewusster Opportunist, er glaubte eben an die Obrigkeit. Er respektierte den Staat. Er glaubte an den Staat, an welchen auch immer. Ich war gegen die Obrigkeit, ich verabscheute den Staat, ich glaubte nicht an den Staat, an welchen auch immer. Für ihn hatte eine Partei, sobald sie an die Macht kam, recht. So gehörte er zur Eisernen Garde, wurde Freimaurer-Demokrat, Nationalist, Stalinist. Für ihn hatte jede Opposition unrecht. Für mich hatte jede Opposition recht."